Das EINE gemeinsame Ziel

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02.09.2019WellenreiterWellenreiter

Weg vom lähmenden «ich muss», hin zum beflügelnden «ich will»: Wenn Sie in Ihrer Organisation ein hohes Energiepotenzial freisetzen wollen, so konzentrieren Sie sich auf EIN (gemeinsames) Ziel und lassen den Mitarbeitenden mal freie Hand bei der Definition.

Was für ein Tag! Wolkenloser Himmel. Der Swell ist perfekt, um saubere Turns in die Wellen zu zaubern. Beim Rauspaddeln nehme ich mir vor, meinen Take Off sauber hinzukriegen. Sobald ich spüre, dass die Welle schiebt, noch zwei, drei Paddelzüge und dann den Take Off wagen. Die Hände auf Brusthöhe auf dem Brett platzieren. In den Stütz kommen (sieht aus wie eine Yoga-Figur) und dann komme ich mit den Beinen in einem Schwung in den Stand. Dabei will ich die Hüfte eindrehen. Mit den Füssen will ich in der Mitte des Brettes zum Stehen kommen und genug breit auseinander sein.  

So stelle ich mir das vor. Bei den Versuchen, auf das Brett zu kommen, sieht dann jedoch alles anders. Ich bin verwirrt und weiss gar nicht mehr worauf ich achten muss, um den Take Off sauber hinzukriegen. Mir schwirren lauter Gedanken und Bilder im Kopf herum. 

In Organisationen geschieht häufig etwas ganz Ähnliches. Mitarbeiter erhalten, meist zum Jahresbeginn, eine ganze Litanei von Zielen, welche sie über die nächsten 12 Monate zu erfüllen haben. Ich kann mich erinnern, dass ich einmal 26 Ziele für meine Leistungsbeurteilung aufgebrummt erhielt. Was geschah? Ich verzettelte mich mit den Zielen und konzentrierte mich mal auf das eine, dann wieder auf ein anderes Ziel. Natürlich kriegte ich überhaupt keines wirklich gebacken.

Was ist also wichtig, um ein (übergeordnetes) Ziel zu erreichen? 

  1. Das übergeordnete Ziel muss klar und verständlich für alle Personen in der Organisation sein. Das kann eine Vision oder auch ein gemeinsames (!) Ziel sein.
  2. Um die Kräfte zu bündeln, sollten sich die Mitarbeitenden für eine bestimmte Zeit auf EIN Ziel fokussieren können. Dies können unterschiedliche Ziele für die einzelnen Personen sein. Die Bedingung ist, dass dieses Ziel auf das übergeordnete Ziel ausgerichtet ist. 
  3. Die Führungskraft muss die Mitarbeitenden befähigen, ihr Ziel zu erreichen. 
  4. Die Führungskraft muss periodisch mit den Mitarbeitenden zusammen überprüfen, ob das Ziel noch sinnvoll ist. Ansonsten ein neues Ziel definieren. 

Die Fokussierung auf ein Ziel, und damit der Erfolg, kann verstärkt werden, indem:

  1. Die Mitarbeitenden (u.U. zusammen mit der Führungskraft) ihr Ziel selber definieren. Damit kommen sie weg vom lähmenden «ich muss», hin zum beflügelnden «ich will». 
  2. Wenn es der Führungskraft gelingt, EIN gemeinsames Ziel zu definieren, dann stellt sie sicher, dass alle Mitarbeitenden in die gleiche Richtung gehen – Bündelung der Kräfte!

In Organisationen sehe ich oft, dass Ziele (wenn überhaupt welche vorhanden sind) hierarchisch vorgegeben werden. Dabei passiert, dass die Mitarbeitenden in den «ich muss»-Modus schaltet. Überprüfen Sie bei sich selbst einmal den Unterschied vom «ich muss»- gegenüber dem «ich will»-Modus. Stellen Sie sich dazu eine typische Tätigkeit in Ihrem Alltag vor (z.B. einem Kunden eine Offerte erstellen). Was geschieht mit Ihnen, wenn Sie zu sich sagen:

  • Ich muss heute noch die Offerte für den Kunden X erstellen!       Oder …
  • Ich will heute noch die Offerte für den Kunden X erstellen!

Wahrscheinlich spüren Sie einen Unterschied. Diesen Unterschied spüren auch die Mitarbeitenden. Schlussendlich hat dies einen grossen Einfluss auf die Energie in einer Organisation. 

Wenn Sie in Ihrer Organisation ein hohes Energiepotenzial freisetzen wollen, so konzentrieren Sie sich auf EIN (gemeinsames) Ziel und lassen den Mitarbeitenden mal freie Hand bei der Definition. Ihre Aufgabe als Führungskraft in diesem Prozess ist das Begleiten. 

Zurück auf dem Brett. Als ich realisiert hatte, dass ich Alles gleichzeitig erreichen wollte, brach die innere Blockade. Ich erinnerte mich daran, dass das übergeordnete Ziel der saubere Take Off ist. Ich gliederte den Prozess in kleinere Einzelschritte und konzentrierte mich bei jedem Versuch nur auf EIN Element. Somit bündelte ich meine Konzentration und es ging nicht lange, bis der erste, saubere Take Off gelang. 

Ach ja – wenn ich mir vorstelle, ich muss heute einen sauberen Take Off hinkriegen, dann kriege ich gleich das Magensausen und der Komplettfrust steht bereit …

Bis bald auf dem Wasser oder bei einem unverbindlichen Gespräch über die Bündelung der Kräfte Ihrer Organisation und damit zu mehr Erfolg und mehr Spass in der Zusammenarbeit.

Aloha!

Roland Kunz

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